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RÀtsel des Welzheimer Ostkastells gelöst

RÀtsel des Ostkastells gelöst

Im vollbesetzten Mainhardter Römermuseum referierte Dr. Marcus Meyer vom Landesamt fĂŒr Denkmalpflege ĂŒber das römische Welzheim.

Innerhalb des UNESCO-Welterbes "Obergermanisch-rĂ€tischer Limes" nimmt der Abschnitt vom Odenwald ĂŒber Hohenlohe bis in den SchwĂ€bischen Wald eine Sonderstellung ein. Hier haben die Römer zur Zeit des Kaisers Marc Aurel ihre technischen FĂ€higkeiten demonstriert und auf einer Strecke von 80 km die Grenzanlage, zunĂ€chst eine Palisade, spĂ€ter Wall und Graben, völlig gerade durch das oft hĂŒgelige GelĂ€nde gezogen. Bisher ging man davon aus, daß es innerhalb dieser Strecke nur eine kurze Abweichung beim Ort Pfedelbach-Gleichen gibt, nach der der Limes wieder zum schnurgeraden Verlauf zurĂŒckkehrt.

Im Bereich der Stadt Welzheim warf die Annahme der geraden Linie jedoch offene Fragen auf. Auf einer Strecke von 3,2 km konnte der Limes im Stadtgebiet nicht nachgewiesen werden. Stattdessen fanden sich auf der angenommenen Linie römische HĂ€user und Brunnen. Das heute touristisch stark frequentierte Ostkastell liegt außerhalb der Linie, was völlig untypisch fĂŒr römische Kastelle ist.

Bereits in den 1970er Jahren ergaben sich erste Hinweise darauf, daß beim Kleinkastell Rötelsee ein Knick in der Geraden sein könnte. Der Verdacht einer zweiten Abweichung von der Geraden ließ die ArchĂ€ologen nicht mehr los. Es folgten weitere Untersuchungen, zuletzt mit modernster Luftbild-Technologie, die Strukturen unterhalb der ErdoberflĂ€che erfassen kann, und im Oktober 2015 gelang der Nachweis: Die Römer nutzten das tief eingeschnittene Tal der Lein als natĂŒrliches Grabenhindernis und schufen so eine mehrere hundert Meter breite Beule in der Limesgeraden.

In römischer Zeit gab es in Welzheim jedoch noch ein weiteres Kastell, das erheblich grĂ¶ĂŸer und bedeutender war als das heute so bekannte Ostkastell. Rund 500 Meter weiter westlich war die Kaserne fĂŒr eine 500 Soldaten starke Kavallerie-Einheit mit ihren Pferden. Sie stand unter dem Befehl eines römischen Ritters und war die stĂ€rkste Truppe am sĂŒdlichen obergermanischen Limes. Bei den seit 1976 durchgefĂŒhrten Untersuchungen fand sich unter anderem ein GefĂ€ĂŸ mit schönen Emailverzierungen, wie sie hauptsĂ€chlich aus England und Nordfrankreich bekannt sind. Außerdem kamen Reste einer Kaiserstatue aus Bronze zum Vorschein, Hakenkreuzfibeln zum Verschließen von MĂ€nteln, AnhĂ€nger von Pferdegeschirr und ein Hufmesser mit Götterfiguren.

Zwischen den beiden Kastellen erstreckte sich das 12 ha große Lagerdorf mit BadegebĂ€ude, Töpferei und einem Friedhof. In einem Brunnen fand man Teile einer römischen ParaderĂŒstung: eine Knieschutzkappe mit Beinschiene und einen Schildbuckel verziert mit der Tapferkeitsgöttin Virtus, der Siegesgöttin Victoria und einem Adler.

Auch die Funde im Ostakstell können sich sehen lassen. Aufgrund dort entdeckter Inschriften kennt man die Bezeichnung der Einheit: Es war ein Numerus Brittonum sowie eine berittene Exploratores-Truppe fĂŒr die Vorfelderkundung. Sie standen unter dem Befehl von Marcus Octavius Severus, einem Centurio der 8. Legion Gallica. In einem der drei Brunnen im Innern des Kastells fand man ĂŒber 250 römische Schuhe, darunter viele Frauen- und Kinderschuhe, der grĂ¶ĂŸte Schuhfund des gesamten römischen Reichs. Auch dieses RĂ€tsel des Ostkastells konnte nun gelöst werden: Der Brunnen wurde von einem römischen Schuhmacher als Abfallgrube genutzt.

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